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Grächen liegt in der trockensten Region des gesamten Alpenraums. So fielen zum Beispiel zwischen 2009 und 2018 jährlich durchschnittlich bloss 553 mm Niederschläge. Die Kulturen mussten schon seit jeher künstlich bewässert werden, um eine ertragreiche Berglandwirtschaft zu gewährleisten. Vier «Wasserleite» brachten das Gletscherwasser vom Riedbach her auf die Wiesen von Grächen. 

Jede der vier Grächner Wasserleitungen war Eigentum einer »Geteilschaft» (Genossenschaft) von Bauern. Die Mitglieder einer «Geteilschaft» waren berechtigt, aus der Wasserleitung «Wässerwasser» zur Bewässerung einer bestimmten Parzelle zu beziehen. Die Aufteilung des Wassers erfolgte über den «Chehr» (Turnus). Er dauerte so lange, bis jeder Genossenschafter einmal an der Reihe gewesen war.  Die Dauer der Bewässerung der einzelnen Parzellen war in einem «Wasserbuch» festgehalten.

Eine traditionelle Bewässerung, wie sie auf dem Foto dargestellt ist, findet heute nicht mehr statt. Viele Wiesen werden jedoch mit Regnern besprengt.

In Grächen nennt man die Wasserleitungen nicht «Suonen» wie in anderen Gebieten des Oberwallis, sondern «Wasserleite».

Das erste Zeugnis über die Existenz einer «Wasserleite» finden wir in der Autobiografie des aus Grächen stammenden Humanisten Thomas Platter (1499-1582). Der älteste vorhandene Vertrag zwischen Grächen und der damaligen Gemeinde Gasenried aus dem Jahr 1603 regelte den Bezug von Wässerwasser aus dem Riedbach für die Bineri, die unterste der vier Wasserleitungen. Sie wurde als Ersatz für eine höher gelegene, vom vorrückenden Gletscher beschädigte «Wasserleite» erstellt. Laut diesem Vertrag hatten die Grächner «….von alters her am Riedbach eine Wasserfuhr geschöpft und sie über das Ried her geführt bis auf den Berg Grächen. Diese Wasserfuhr wurde ihnen vor etlichen Jahren durch Überdrang des wütenden Gletschers abgestossen, und so zwingt sie die Not, eine andere Wasserfuhr zu machen». (Text aktualisiert)

Ab dem 17. Jahrhundert legten die Grächner Bauern verschiedene Gelübde ab, um den Riedgletscher zurück zu halten, denn dieser stiess mehrmals vor und zerstörte die Wasserfassungen der Eggeri und der Chilcheri und bedrohte die Existenz der Grächner Bergbauern. So wurde zum letzten Mal 1803 in den «Regeln des Riedgletschers»: «…schriftlich festgehalten und versprochen, jährlich am Fest des Walliser Landespatrons Bischof Theodul (erwähnt Ende des 4. Jh.), am 4. September, eine Bittprozession zur Wallfahrtskapelle Schalbettu am Riedbach durchzuführen und diesen Feiertag ohne Fluchen, Schwören, Streit, Prassen und Unzucht zu verbringen».

 

Wandern entlang der vier Grächner «Wasserleiten»

wasserleite riedgletscher

Wanderungen entlang der vier Grächner «Wasserleiten» sind einmalige Erlebnisse. Sie führen durch Nadelwald, Wiesen und Weiden zum Riedbach. Unterwegs geniesst man immer wieder die prächtige Aussicht auf die Walliser und Berner Alpen und auf den Riedgletscher. Besonders romantisch ist es, wenn in den Leitungen gemächlich Gletscherwasser fliesst, und eine beruhigende Wirkung auf den Wanderer ausübt. Ausgangspunkt für alle vier Touren ist das Sportzentrum oberhalb des Dorfkerns.

Die Bineri erreicht man kurz nach dem Sportzentrum über die asphaltierte Strasse Richtung Grächner See. Bereits nach 50 m (Haus Edelweiss) abzweigen! Die Wanderzeit beträgt rund eine Stunde. Die Bineri ist 3950 m lang und fasst ihre 50 Sekundenliter Gletscherwasser auf 1690 m ü. M.. Ihr Name stammt vom Weiler Bina, weil sie ursprünglich vermutlich vor allem zur Bewässerung der Kulturen in dieser Gegend diente. Die Bineri wurde zu Beginn des 17. Jahrhunderts erstellt.

Die Drieri  ist vom Sportzentrum aus über «Robis Waldspielpark» erreichbar. Die Marschzeit bis zum Riedbach beträgt ebenfalls eine Stunde. Sie wird erstmals 1614 urkundlich erwähnt. Sie wurde zu dieser Zeit, gleich wie die Bineri, als Ersatz für eine höher gelegene, vom Riedgletscher abgedrängte «Wasserleite» erstellt, was auch ihren früheren Namen «Oberi Niwwa» erklärt. Die heutige Bezeichnung Drieri weist darauf hin, dass sie drei Wässerportionen (total 110 Sekundenliter) aufzunehmen vermag. Ihre Länge beträgt rund 4200 m.

Die Chilcheri  verläuft zu Beginn in Nähe der Drieri, und man gelangt ebenfalls über «Robis Waldspielpark» zum Start. Ihr Fassungsvermögen beträgt 50 Sekundenliter. Nach einer Marschzeit von etwas mehr als einer Stunde erreicht man den Riedbach. Laut einer Urkunde wurde sie 1639, nachdem sich der Gletscher zurückgezogen hatte, wieder eröffnet. Die Chilcheri ist in etwa gleich lang wie die Bineri. Ihr Name stammt vermutlich daher, weil sie oberhalb des Sportzentrums zur Kirche hinunter abbiegt.

Die Eggeri ist die oberste und wohl die älteste der vier Grächner Wasserleitungen. Sie wurde vermutlich  im 14. Jahrhundert erstellt. Man erreicht sie vom Dorfzentrum aus über den Fussweg zur Hannigalp. Auf 1780 m. ü. M. kann man entweder rechts Richtung Riedbach (Marschzeit 1 h. 30 min.) oder links Richtung Bärgji abzweigen (Marschzeit 1 h.). Die Eggeri fasst ihre 60 Sekundenliter auf 1840 m ü. M. und fliesst durch Nadelwald und Alpwiesen bis zum Weiler Bärgji auf 1740 m Meereshöhe. Bei einer Gesamtlänge von 6150 m gibt das ein durchschnittliches Gefälle von bloss 1.6 %. Im Jahr 1618 wird sie erstmals als «Eggeri oder Bergeri» urkundlich erwähnt.

Das Projekt «Zauberwasser» entlang der Chilcheri und der Eggeri, verwirklicht von Grächen Tourismus, bietet durch die zahlreichen Installationen und die Infotafeln auf den Stelen eindrückliche magische Erlebnisse. Bei einer Wanderung entlang des «Zauberwassers» bekommt man einen ganz besonderen Bezug zum traditionellen Grächner Bewässerungssystem. Man entdeckt zahlreiche Orte der Ruhe und des Wohlfühlens.



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